Bauernhof-Eis

Wenn die Geschmacksexplosionen aus der Kälte kommen

Mit ihrem leckeren Bauernhof-Eis
sorgen die Hofgeismarer Kerstens für
Furore

Auf die Klassiker der kühlen Köstlichkeiten muss der Kunde und Gast bei Familie Kersten in Hofgeismar-Schöneberg nicht verzichten. Wer auf Vanille-, Schokoladen- und Erdbeereis steht, bekommt seine beliebten Sorten. Doch darüber hinaus winkt manch’ Exotisches. Wie wäre es mit schwarzer Johannisbeere? Oder darf es die fruchtige Kombination aus saurer Sahne, Orange und Zitrone sein? Oder mundet Waldmeister-Eis, begleitet von einer Kugel Erdbeere und Prosecco sowie Caipirinha-Eis am besten?
Der Clou: Der Betrieb stellt seit zwei Jahren sein Eis selbst her. Und das mit ganz natürlichen Früchten, ohne Farbstoffe oder anderen Zusätzen. Und mit großem Erfolg.

Eigener Hof statt Rewe oder Edeka
In ihrem landwirtschaftlichen Betrieb halten die Kerstens 75 Kühe. Als der Milchpreis immer weiter auf Talfahrt ging, suchten sie nach passenden Lösungen. „Da wir uns gern mit der Direktvermarktung beschäftigen, wandten wir uns gedanklich zunächst dem Käse zu, bevor das Eis das Rennen machte“, blickt Eckhard Kersten zurück. Das kam so: Im landwirtschaftlichen Wochenblatt las Ehefrau Martina Opfermann-Kersten einen Artikel über die Franchise-Idee des Bauernhof-Eises. Europaweit aktiv und in den Niederlanden beheimatet, sind in Deutschland einige Dutzend Betriebe der Kette tätig. Der Beitrag weckte ihr Interesse. So sah sich das Paar 2009 einen entsprechenden Betrieb bei Soest an – und fing Feuer.

Wenig später beschlossen sie, sich selbst in dieser Richtung zu engagieren. „Das schlüssige Konzept hat uns überzeugt“, erläutert Kersten. Die Familie richtete einen Produktionsraum ein, versah die Wände mit Fliesen und schaffte eine Eismaschine, Gefriertruhen, Kühlschränke, Spülen, Arbeitstische aus Edelstahl sowie weiteres Equipment an. Auf rund 75.000 Euro summierten sich die Investitionen. Über drei Tage unterstützte ein Fachmann aus den Reihen von Bauernhof-Eis die Newcomer und wies sie in die Geheimnisse des Herstellungsprozesses ein. Zunächst hatten sie die Vorstellung gehabt, ihre Produkte in 500 Milliliter fassende Packungen zu füllen und diese an Rewe zu verkaufen. Doch es kam ganz anders. Das hat, wie eingangs angedeutet, damit zu tun, dass die Kerstens ihre Eiscreme weniger an die anonyme Masse als direkt an den Kunden vermarkten wollen. „Wir verkaufen unsere Produkte lieber auf unserem eigenen Hof“, fasst Opfermann-Kersten zusammen und verweist darauf, dass sie lediglich drei oder vier Anzeigen in der lokalen Tageszeitung schalteten, um die Nachfrage anzukurbeln. Was wiederum beweist, dass die Mundzu-Mund-Propaganda zufriedener Kunden durch keine noch so ausgeklügelte Marketing-Kampagne zu schlagen ist! Um den Kunden ein attraktives Ambiente zu bieten, richteten die Neu-Unternehmer ein kleines Café ein und fügten eine Außenfläche hinzu, wo die Eis-Fans in der warmen Jahreszeit sitzen können. „Mittlerweile kommen am Samstag und Sonntag bei gutem Wetter jeweils mehr als 50 Gäste, genießen ihr Eis bei uns und trinken Kaffee oder Kakao“, berichtet Opfermann-Kersten. An den Wochentagen treffen immer mehr Schulklassen auf dem Hof ein. Die Mädchen und Jungen schauen sich den Melkroboter in Aktion an, besichtigen die Ställe und lassen sich die Landluft um die Nase wehen. „Anschließend erkläre ich ihnen Wissenswertes rund ums Eis – und zum Abschluss gibt’s was Leckeres aus unseren Kühltruhen“, verrät Opfermann-Kersten, deren geschütztes Bauernhofeis-Gebiet sich von Hofgeismar über Kassel und Bad Arolsen bis zur niedersächsischen bzw. nordrhein-westfälischen Landesgrenze erstreckt.

Von Holunderblüten bis Löwenzahn
Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, stellte der Betrieb Mitarbeiter ein. Vor allem Mittwochs, am Produktionstag, müssen sie in die Tasten hauen. Dazu liefert die Franchise-Zentrale regelmäßig Rezepte. Diese nutzen die Hofgeismarer zum größten Teil. Darüber hinaus erweitern sie ihre Palette insbesondere bei Fruchteis um jahreszeitliche und regionale Varianten. Ob Holunderblüten, Löwenzahnblüten, Rosenblüten (genannt: Dornröschen-Eis), Waldmeisterblüten oder schwarze Johannisbeeren – der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Um auf frische Ware zugreifen zu können,
orientiert sich Opfermann-Kersten auf den Märkten der Region und legt die notwendigen Vorräte an. „60 Kilogramm Erdbeeren oder Johannisbeeren brauchen wir dann schon“, erklärt sie. Viele Kunden, die lange Zeit kein Fruchteis mehr genossen haben, weil es ihnen immer zu künstlich erschien, entdecken diese Sorten wieder neu für sich. „Wir eröffnen ihnen ganz neue Geschmackserlebnisse“, so Kersten. Diese besonderen kulinarischen Momente sind auf dem Hof in Hofgeismar-Schöneberg zu haben. Oder der Kunde nimmt sich
seine Packung mit nach Hause. Eine weitere Möglichkeit eröffnen die Unternehmer, wenn sie Events mit ihren Produkten begleiten. An zwei bis drei Abenden pro Woche sind die Kerstens mit ihrer mobilen Eisbar unterwegs und machen etwa Firmenfeiern noch attraktiver, wenn sie ihre 13 bis 14 Grad kalte Ware anbieten. „Rewe würde unsere Produkte gern beziehen. Doch wir ziehen unsere eigenen, persönlichen Vertriebskanäle vor“, hebt Eckhard Kersten hervor. Zu der klaren Ausrichtung und Kommunikation gehört Ehrlichkeit. Das gilt nicht zuletzt dann, wenn etwas schief gegangen ist. „Wir haben vor Monaten einmal Minze-Eis angeboten,
das entgegen unserer Linie künstliche Farbstoffe enthielt. Als wir das feststellten, haben wir das sofort eingeräumt“, erläutert Opfermann-Kersten. Heute bietet der Betrieb erneut Minze-Eis an, das nun allerdings
mit Algen gefärbt ist.

40 Sorten und eine Eistorte
Apropos Sorten: Neben den Standard-Geschmacksrichtungen Vanille, Schokolade und Erdbeere setzen die Nordhessen auf eher exotische Ideen – zum Beispiel Kaffee-Eis. Opfermann-Kerstens persönlicher Favorit ist die schwarze Johannisbeere. Auch die säuerlich-fruchtige Kombination aus saurer Sahne, Orange und Zitrone hat es ihr angetan. Großer Beliebtheit und Nachfrage erfreute sich im ersten Halbjahr das Waldmeister-Eis der Hofgeismarer, gefolgt von mancher ungewöhnlichen Kombination. Das galt für das Duo aus Erdbeere und Prosecco. Das Caipirinha-Eis hob ein aus Brasilien stammender Mitarbeiter des Hauses aus der Taufe. „Das ist richtig lecker, was bestimmt mit den frischen Limetten zu tun hat“, mutmaßt Opfermann-Kersten.Knapp 40 Sorten offerieren die Hofgeismarer – je nach Saison. In den kalten Monaten ist Apfel-Zimt- und Zwetschgen-Zimt-Eis angesagt. Leckere Eistorten und -stangen, die sich schneiden lassen, runden die Palette neben selbst gemachten Frucht- und Schokosoßen ab. Einige hervorragende Gastronomen haben die kalten Köstlichkeiten für sich entdeckt. So bezieht das Gasthaus Stern in Hümme Eis von der Familie Kersten. Auch das Gasthaus Reitz aus Hofgeismar und Jean Bonnet aus Kelze setzen auf die natürlichen Produkte mit dem
großartigen Aroma. Genutzt wird vor allem eingefrorenes Obst, da dessen Aromen stärker wirken als die frischer Früchte. Am Produktionstag werden 17 bis 18 Sorten zu jeweils neun Liter hergestellt. Abgefüllt wird die köstliche Masse in Gefäßen, die 500 Milliliter, zweieinhalb oder fünf Liter aufnehmen. Vergleicht man unterschiedliche Produkte im Hinblick auf Volumen und Gewicht, zeigen sich gravierende Differenzen.
Die Unterschiede gehen auf die Konsistenz zurück. Konkret heißt das: Fünf Liter Vanilleeis aus der Hofgeismarer Produktion bringen es auf 4,6 kg. Die gleiche Menge industriell hergestelltes Vanilleeis wiegt
etwa 2,6 Kilogramm. Wie kommt das? „Den Unterschied macht der höhere Luftanteil im Fertigeis“, erklärt Kersten. Der Preis jedoch weist kaum Unterschiede auf. Die Kerstens offerieren ihre Kugel ebenso zu 70 Cent wie Produzenten von Industrie-Eis. Allerdings ist der Geschmack viel intensiver – was die Besucher des
Frühlingsfestes, des Mittelaltermarktes oder des Kartoffelfestes an der Sababurg bestätigen können.
Vor dem Hintergrund deutet alles darauf hin, dass der Familienbetrieb weiter wachsen wird. Das nehmen die Hofgeismarer gern in Kauf. „Dann stellen wir weitere Kräfte ein“, so Eckhard Kersten.

Schöneberger Bauernhof-Eis
Bremer Str. 27 · 34369 Hofgeismar-Schöneberg · Tel. 05671 700

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