Märchenhafter Wein

Weine, die schon Jacob und Wilhelm Grimm mundeten: Michael Kugel verkostete die Inspirationsquellen der berühmten Märchensammler und Sprachforscher.

Michael Kugel

Michael Kugel

„Mir geht immer das Herz auf, wenn ich den Rhein und seine glückseligen Ufer wieder sehe.“ Diese Zeilen schrieb Wilhelm Grimm am 17. Oktober 1833 – möglicherweise bereits von Weingott Bacchus inspiriert – von seinem erklärten Lieblings-Weinberg, dem Johannisberg, einem Weinbaubereich im hessischen Weinbaugebiet Rheingau, der heute aus zwölf Großlagen und 120 Einzellagen besteht. Schon zu Grimms Zeit hatten dessen Weine einen besonders guten Ruf, im Gegensatz zu den Produkten manch anderer Weingüter, denen auch ein Wilhelm Grimm nur zu gern bescheinigte, sie seien kaum mehr als „eine Art gutartiger Essig“ – ein harsches Urteil, zu dem jedoch unser heutiger, verwöhnter Gaumen wohl ebenso bei vielen Weinen des 19. Jahrhunderts gelangen würde. Die anregenden Tröpfchen vom Johannisberg indes, sie beförderten den passionierten Märchensammler damals zu Tönen höchsten Lobes, insbesondere hinsichtlich des von ihm besonders geschätzten Kabinettweines, auch wenn dieser „mit Gold bezahlt werden müsse“.

Schon Jahrhunderte zuvor hatten Weinfreunde von diesem Berg geschwärmt, der bereits auf 1.200 Jahre bewegte Weinbaugeschichte zurückblicken kann – was einem wahrhaft großen Weinfreund, nämlich Karl dem Großen, zu verdanken ist. Beim Blick aus seiner Pfalz Bingen, hinüber zum Rheingau, war ihm eines Tages aufgefallen, dass der Schnee dort im Winter zuerst schmolz, was ihn – die Kombination des bereits bekannt guten Bodens mit so offensichtlich mildem Klima bedenkend – auf besonders vorteilhafte Bedingungen für den Weinanbau schließen ließ. Die von ihm dort veranlasste Pflanzung von Reben sollte in der Folge schließlich zur Entstehung des ersten Riesling-Weingutes der Welt führen.

Die Grimm-Weine am Originalschauplatz. Von 1814 bis 1822 war die zweite Etage des Torgebäudes Wohnort für Jacob und Wilhelm Grimm und den Bruder, den Maler und Radierer Ludwig Emil Grimm, und die Schwester Lotte.

Wilhelm Grimms deutliches Wohlwollen gegenüber dem Riesling fand seinen Nachhall unter anderem in zwei 2009er Weinen, die als Prädikat ein schmuckes Grimm-Etikett tragen. Erzeugt wurden beide vom seit 1811 bestehenden Weingut G.H. von Mumm, eines der bedeutendsten und schönsten Weingüter des Rheingaus, das bekannt ist für seine charaktervollen und markanten Gewächse – schon dieWeinlese seines Gründungsjahres galt als „Kometen-Ernte“ und sollte sich für den Rheingau als eine der besten des gesamten 19. Jahrhunderts erweisen. Einer seiner heute den Grimms gewidmeten Riesling-Weine ist der Johannisberger Hansenwein, ein trockener Qualitätswein, dessen Trauben auf einem kleinen Weinberg unterhalb von Schloss Hanseberg gedeihen. Er hat ein hellgelbes Antlitz, das im Glas glänzt und funkelt, und verkostet sich als leicht, trocken und erfrischend, wobei ein Duft nach reifer Grapefruit mitschwingt und der Gaumen von einer bestechenden Säure umspielt wird.

Der zweite Grimm-Riesling Johannisberger Hölle ist ein feinherb ausgerichteter Qualitätswein, der auf einer für seine gehaltvollen Weine berühmten Einzellage am Weg vom Johannisberg zum Kloster Marienthal heranwächst. Anregend saftig, mit Fruchtaromen nach reifer Limone und Apfel, lässt er eine etwas höhere Restsüße bei gleichzeitig deutlicher Säure spüren – eine die Geschmacksnerven zunächst sanft umspielende Versuchung, deren süffiges Potenzial sich erst beim zweiten Schluck voll entfaltet. Beide Grimm-Weine werden seit August gehandelt. Ihren nur begrenzt zur Verfügung stehenden Kontingenten geschuldet, hat es die Kooperation von SB Union (C+C der EDEKA) und der Organisation Grimm- Heimat NordHessen jedoch vorgezogen, den Vertrieb exklusiv über die Gastronomie vorzunehmen – eine reizvolle Gelegenheit, das aktuelle Ausschankangebot Ihres jeweiligen Wirtes einmal näher in Augenschein zu nehmen oder Ausschau zu halten nach den über das ganze Land verteilten Märchenköchen, die diese Weine sowohl ausschenken wie auch im Straßenverkauf anbieten, die 0,75-Liter- Flasche für ca. 9,50 Euro. Das Konzept ist einzigartig, und wer sich auf den Weg macht, wird nicht enttäuscht.

Bezugsmöglichkeiten in der GrimmHeimat NordHessen:

Hotel Gude in Kassel
Brauhaus Knallhütte in Baunatal
Der Grischäfer in Bad Emstal
Parkhotel Emstaler Höhe in Bad Emstal
Dornröschenschloss Sababurg in Hofgeismar
Hans im Glück in Hofgeismar
Gaststätte Deutsches Haus in Immenhausen
Hotel Restaurant am Stadtpark in Gudensberg
Restaurant Zum goldenen Stern in Großalmerode Laudenbach
Landhotel Kern in Bad Zwesten
Hotel Goldflair in Korbach
Flair Hotel zum Stern in Oberaula
Hotel Krone in Bad Sooden-Allendorf
Hofgut Steinbößel in Wabern
Gaststätte Rose in Melsungen
Waldhotel Wiesemann am Edersee
Waldhotel Wiesemann in Waldeck
Hotel Belvedere am Edersee in Waldeck
Hotel Die Sonne in Frankenberg
Hotel Schloss Waldeck in Waldeck
Relais & Chateaux Hotel Hohenhaus in Holzhausen

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